Wie ich ein Pferd einfing

Ich habe mir heute ein neues Fahrrad gekauft. Als ich aus dem Laden kam, um damit nach Hause zu fahren, war Aufregung auf dem Parkplatz: Es waren mehrere Pferde ausgebüchst, die jetzt dort herumliefen, aber nach ein paar Minuten eingefangen waren. Als ich das Freunden schrieb, kam (irgendwie erwartbar) der Kommentar: „Mit dem Fahrrad hättest du sie ja einfangen können.“ Nun ja, das letzte Mal habe ich dazu kein Fahrrad gebraucht.. Was? Viel dabei ist nicht:

Storytime: Es war vor etwa 25 Jahren (mein Gott, ich werde alt) und wir waren auf dem Gegenbesuch bei der Familie eines Gastschülers, der davor in den Sommerferien für zwei Wochen bei uns gewesen war. Am zweiten Tag haben wir mit dem Familienvater einen Ausflug an den ca. 80 Kilometer entfernten Atlantik gemacht. Auf dem Rückweg musste er plötzlich eine Vollbremsung einlegen, denn auf der Straße lief ein Pferd durch das Dorf. Er meinte, er wisse, wem im Ort Pferde gehören, informierte den Besitzer und woltle wieder losfahren, um noch seine Tochter abzuholen.

Ich wollte schauen, wohin das Pferd lief, um dann dem Besitzer bei der Suche helfen zu können. Es folgte einer der wenigen Momente, in denen ich nicht alles durchdachte, sondern einfach handelte. Mein Gedanke war nur: „Frankreich. Französiches Pferd. Auf französsich rufen.“ Was ich auch tat. Und das Pferd? Drehte um und kam zurück. Allerdings nicht direkt zu mir, sondern es bog vor mir in die Seitenstraße ab. Ich bin, weiter ruhig redend, seitlich hingegangen (gefährlich, ich weiß – und wusste ich auch damals). Offenbar hatte es sich losgerissen, ein Stück Seil (blau, welche Details man sich merkt…) war noch da. Den Rest Seil hatte ich in der einen Hand, die andere streichelte/tätschelte das Pferd – so standen wir auf der Straße. Genau vor der Hofeinfahrt, Tochter abholen verzögerte sich also um ein paar Minuten.

Das Pferd war nervös und geschwitzt (verständlich), aber auch friedlich, so dass ich mit ihm auf dem Gehweg gehen und die Straße frei machen konnte. Als es anfing, die Hecke anzuknabbern, bin ich aber doch mit ihm auf einen Grasstreifen auf der anderen Straßenseite gegangen, immerhin war die Hecke frisch geschnitten (rationales Denken und so, ne?). Dort warteten wir auf den Besitzer, der recht schnell da war – und sich als ehemaliger Besitzer herausstellte, der die Pferde gerade verkauft hatte. Dass mir das Pferd zwischendurch vorne auf den Schuh lief, war nicht schlimm, denn in der Nervosität hatte ich die Zehen eingerollt.

Alles in allem hatte ich an dem Abend mehr Glück als Verstand. Und realistisch betrachtet: Wenn das Pferd nicht von selbst zurückgekommen wäre oder sich losgerissen hätte, hätte ich keine Chance gehabt. Andererseits: Egal, ich habe ein Pferd eingefangen.